Bond Compass

PriceStats®-Analyse: Inflationshoch oder nur eine Pause?

Ein Blick auf vierteljährliche Inflationsmessungen, die auf den Preisen von Millionen von Artikeln basieren, die von Online-Händlern verkauft werden, um Anlegern zu helfen, die Auswirkungen der Inflation zu antizipieren und zu bewerten.


Q4 2022


US-Inflation: Es könnte noch besser laufen.

Der Trend der unaufhaltsam steigenden Preise riss im dritten Quartal endlich ab. Unser US-PriceStats-Index kletterte Mitte Juni auf seinen oberen Wendepunkt, den er nach Rückgängen im Juli und August bis zum Quartalsende nicht mehr erreichte. Dass die Preisbildung im dritten Quartal saisonal bedingt schwach ist, ist nicht ungewöhnlich. Es ist das erste Mal seit mehr als zwei Jahren, dass der Trend der galoppierenden Gesamtinflation eine Pause einlegt. Und der zahmere Trend scheint sich bereits auf die Inflationserwartungen der Verbraucher auszuwirken – ein wichtiges Barometer für die Fed bei der Beurteilung, ob sie mit ihren Bemühungen zur Eindämmung der Inflation erfolgreich ist.

Wenngleich dieser obere Wendepunkt im Index für die Gesamtinflation ermutigend ist, sind es die Einzelheiten der Sektorreihen unter der Gesamtinflation ganz und gar nicht. Unsere PriceStats-Reihen entsprechen immer noch einer Kerninflation, die im Quartalsverlauf deutlich über 5,5 % (saisonal bereinigt und aufs Jahr gerechnet) liegt. Trends bei Artikeln der Haushaltsausstattung, ein Anhaltspunkt für die Kerninflation bei Gütern, und die Auswirkungen der Aktivität am Wohnungsmarkt sind nach wie vor robust und die Preise im Gesundheitswesen haben tatsächlich angezogen. Das bedeutet, dass die Gesamtinflation sich zwar verbessert, die zugrunde liegende Preisentwicklung aber schwierig bleibt.

Source: PriceStats, State Street Global Markets, as of September 30, 2022.

Europäische Inflation: Aufholjagd

Das turbulente Auf und Ab der Erdgaspreise, das durch die Befürchtung und dann das tatsächliche Eintreten eines russischen Lieferstopps ausgelöst wurde, sorgt in den meisten europäischen Ländern für beträchtliche wirtschaftliche Probleme. So belastend die Erdgaspreise und deren Folgewirkungen auf die Energiepreise sind, die Kerninflation in Europa zieht nach wie vor an. Im Quartalsverlauf stieg die von PriceStats gemessene Inflation interessanterweise in Deutschland, Italien und Großbritannien schneller als in den USA.

Offizielle Statistiken zeigen, dass diese Aufholbewegung auch auf die marktbasierten und die verbraucherseitigen Inflationserwartungen durchschlägt. Wir weisen darauf hin, dass die mittlere Inflationserwartung für die kommenden drei Jahre in der aktuellen EZB-Erhebung der Inflationserwartungen von Verbrauchern knapp über 3 % gestiegen ist. Eine ähnliche Umfrage der New York Fed zeigt, dass die US-Verbrauchererwartungen auf nur 3,2 % eingebrochen sind. Mit anderen Worten: Das gefühlte Inflationsgefälle zwischen den USA und der Eurozone schrumpft schnell. Ein ähnlicher Trend lässt sich bei den marktbasierten Inflationserwartungen beobachten, wo die mittelfristigen (5-Jahres, 5-Jahres-Forward-)Inflationserwartungen in den USA im Quartalsverlauf gefallen, aber in der Eurozone gestiegen sind.

Eurozone Inflation and Market Expectations Move Closer Together

Eurozone Inflation and Market Expectations Move Closer Together

Inflation in den Schwellenländern lässt endlich nach

In den Schwellenländern gibt es weitere Anzeichen einer Normalisierung der Inflation, denn die PriceStats-Indizes der Gesamtinflation, Lebensmittel- und Kraftstoffpreise sind im September wieder zu ihren saisonalen Durchschnitten zurückgekehrt. Die Ereignisse reichten aus, um drastische Einbrüche der jährlichen Inflationsraten bei Lebensmitteln und Kraftstoffen auszulösen, während die Gesamtinflation aufgrund weniger extremer Basiseffekte einen geringeren Rückgang verzeichnete. Am schnellsten verlangsamt sich die Inflation in Brasilien und Südafrika, wo die offiziellen Jahresraten voraussichtlich weiter fallen werden.

EM Inflation Decline Driven by Food and Fuel

EM Inflation Decline Driven by Food and Fuel

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