Q2 2021 Bond Compass

Die Stimmung am Markt: Höhere Zinsen und ihr Einfluss auf Mittelflüsse in Anleihen

Basierend auf einem signifikanten Volumen von 10 Billionen US-Dollar an festverzinslichen Anleihen, die von State Street verwahrt und verwaltet werden, hat State Street Global Markets Indikatoren entwickelt, die über das langfristige Anlegerverhalten im Fixed-Income-Markt Aufschluss geben.1


Auf diese Weise werden nicht nur Tendenzen von zehntausenden Portfolios, sondern schätzungsweise auch knapp über 10 % der weltweit ausstehenden Anleihen erfasst.

Mittelflüsse und Bestände im ersten Quartal

Für Anleiheinvestoren waren die guten Nachrichten im ersten Quartal kein Grund zur Freude: Ein höheres Impftempo und fiskalpolitische Anreize hellten die Wachstumsaussichten auf, was wiederum die globalen Renditen beflügelte. Die Immunisierung ist beeindruckend: von null auf fast 700 Millionen verabreichte Dosen in nur wenigen Monaten. Der Impffortschritt ist jedoch uneinheitlich. Bei den Industrieländern liegt die EU deutlich hinter den USA und Großbritannien, bei den Schwellenländern sind die Unterschiede noch größer. In den USA hat die Regierung unter Joe Biden noch schnell weitere 1,9 Billionen US-Dollar an weiteren Wirtschaftshilfen verabschiedet.

In Anbetracht dieser Entwicklungen haben sich die weltweiten Wachstumsaussichten dramatisch verbessert, weshalb der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognose zum Weltwirtschaftswachstum seit Jahresbeginn schon zwei Mal nach oben korrigiert hat. Die USA gehen großen Schrittes voran: Die Federal Reserve (Fed) hat ihre Schätzungen zum Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für das Jahr 2021 gegenüber der Dezember-Prognose um 230 Basispunkte auf 6,5 % angehoben. Mit den Wachstumsprognosen sind auch die Inflationserwartungen gestiegen – ein Haupttreiber bei der Neubewertung der Renditen. Der Anstieg der 10-jährigen Breakeven-Inflationsrate um fast 40 Basispunkte war zur einen Hälfte dem Anstieg der Renditen der US-Staatsanleihen im ersten Quartal, zur anderen Hälfte den gesteigerten Erwartungen einer Zinserhöhung zu verdanken. Nach derzeitigem Stand dürfte die Fed gegen Ende 2022 mit den Zinserhöhungen beginnen. Die meisten G10-Zentralbanken dürften 2023 ernsthaft nachziehen. Die Zentralbanken reagierten unterschiedlich auf den Renditeanstieg. Einige, wie die Europäische Zentralbank (EZB) oder die Reserve Bank of Australia (RBA), drängten die Renditen aktiv zurück, während andere, wie die Fed oder die Bank of Canada (BOC), die implizierten positiven wirtschaftlichen Aussichten begrüßten.

Insgesamt war das erste Quartal für US-Staatsanleihen das schwächste seit den 1980er Jahren. Auch Unternehmensanleihen hatten sich seit der globalen Finanzkrise nicht mehr so schwach gezeigt. Das Anlegerverhalten spiegelte diese Entwicklungen wider. Unsere Daten zeigen für US-Staatsanleihen seit Februar negative Mittelflüsse, wobei die Rückflüsse insbesondere ins Ausland gingen. Die Mittelflüsse der Staatsanleihen im Euroraum erwiesen sich aufgrund der Beschleunigung der Anleihekäufe der EZB zur Dämpfung des Renditeanstiegs als widerstandsfähiger. Dies führte zu einer Präferenz für höhere Renditen, sodass italienische Staatsanleihen (BTP) die stärksten Zuflüsse verzeichneten. Die Nachfrage nach Schwellenländeranleihen war hingegen schwach: Die anfängliche Präferenz für Asien ließ nach und schließlich verzeichneten sämtliche Regionen Mittelabflüsse. Angesichts des erstarkten US-Dollars und wachsender Inflationssorgen hat das Anlegervertrauen in Schwellenländeranleihen abgenommen. Aufgrund der anhaltenden Suche nach Rendite lagen die Mittelflüsse für Hochzinsanleihen im Quartal im obersten Dezil, die Mittelflüsse für Investment-Grade-Anleihen waren eher neutral.

US-Staatsanleihen – Interesse aus dem Ausland

US-Staatsanleihen befanden sich den größten Teil des ersten Quartals im Abwärtstrend. Unsere Daten zeigten zwar zunächst eine rege Kaufaktivität, die sich jedoch bald vollständig umkehrte. Da die höheren Renditen noch keine neuen Käufer anlocken konnten, kam es zu Kurssprüngen sowie mehreren schwachen Auktionen. Während sich die Mittelflüsse insgesamt noch auf negativem Terrain bewegen, haben sich die Zuflüsse aus dem Ausland erholt – ein Indikator dafür, dass die niedrigeren Kurse zumindest vereinzelt Wirkung zeigten. Da der Finanzierungsbedarf der US-Regierung für den Rest des Jahres hoch bleiben wird, ist ein stabilerer Gleichgewichtspreis für US-Staatsanleihen für alle Assetklassen von Bedeutung.

US-Staatsanleihen: Gesamtmittelflüsse der letzten 20 Tage vs. internationale Mittelflüsse der letzten 20 Tage

Anleger auf der Suche nach Sicherheit

Sowohl in Industrie- als auch Schwellenländern stiegen die Renditen im ersten Quartal global an. Selbst japanische Staatsanleihen (JGBs) bildeten hier mit einem leichten Renditeplus keine Ausnahme. Obgleich sich die Aufmerksamkeit insbesondere auf US-Staatsanleihen richtete, boten auch andere Märkte hohe oder sogar höhere Renditeanstiege. Kanada, Australien, Neuseeland und die USA – die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen stiegen im ersten Quartal um mindestens 80 Basispunkte. Dennoch betrachten Anleger US-Staatsanleihen mit Skepsis: Durationsgewichtet lagen die Mittelflüsse nur im 20. Perzentil, während die Mittelflüsse der Industriestaaten insgesamt im 40. Perzentil lagen. Die im Vergleich zu US-Staatsanleihen stärkeren Zuflüsse in JGBs und Euro-Staatsanleihen zeigen, dass stabile Renditen derzeit gefragter sind als hohe.

Staatsanleihemärkte: Mittelflüsse der letzten 20 Tage und Bestände

Der Griff nach Hochzinsanleihen

Hochzinsanleihen waren eine der wenigen Assetklassen unseres Anleiheuniversums, die im ersten Quartal positive Renditen verzeichnen konnten. Dabei profitieren sie von ihrem niedrigeren Durationsprofil und im Durchschnitt höheren Kupons. Auch die Finanzierungsbedingungen sind weiter günstig: Im März lagen die Emissionen von Hochzinsanleihen auf Rekordniveau – obwohl derzeit die Zahl der Hochstufungen die der Herabstufungen so stark übersteigt wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Mittelflüsse in Hochzinsanleihen auf 20-Tages-Basis bewegten sich in den vergangenen fünf Monaten im obersten Quartil und bestätigten damit diese positive Tendenz. Im Gegensatz dazu haben Investment-Grade-Anleger seit Jahresanfang unterm Strich verkauft (selbst bei im Jahresvergleich weitgehend unveränderten Risikoaufschlägen).

Investment-Grade-Anleihen vs. Hochzinsanleihen: Mittelflüsse der letzten 20 Tage