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Europa: Zurück zu Anleihen und ESG

Die erheblichen Marktverwerfungen in der ersten Jahreshälfte 2022 deuten darauf hin, dass es sinnvoll ist, wieder in Euro-Anleihen mit Investment-Grade-Rating zu investieren. Die bisherigen Mittelzuflüsse haben gezeigt, dass die Anleger über ESG-geprüfte Engagements in diese Anlageklasse zurückkehren, und wir glauben, dass sich dieser Trend in den kommenden Monaten fortsetzen könnte.


Senior Fixed Income Strategist

Gibt es nach dem starken Ausverkauf im ersten Halbjahr Anzeichen dafür, dass sich die Anleger wieder für Investment-Grade-Anleihen erwärmen könnten? Die erste Hälfte des Jahres war für Anleger nicht gerade erfreulich. Die Kombination aus steigenden Staatsanleihenrenditen aufgrund der restriktiven Politik der Zentralbanken und der Verringerung der Spreads von den historisch engen Niveaus führte sowohl zum schlechtesten (2. Quartal 2022) als auch zum drittschlechtesten (1. Quartal 2022) Quartal für die Renditen von Euro-Investment-Grade-Anleihen seit dem Jahr 2000.1

Wie aus dem Abschnitt über die Anlageströme im jüngsten Bond Compass hervorgeht, reagierten die Anleger mit einer Verringerung ihres Engagements und sind nun vor allem in Euro-High-Grade-Anleihen untergewichtet. Das Diagramm, “Keeping it Safe in Credit,” im Bond Compass, das die zeitliche Entwicklung der Mittelzuflüsse veranschaulicht, zeigt, dass die Mittelzuflüsse für Euro-Investment-Grade-Anleihen im ersten Halbjahr 2022 größtenteils gegen Null gingen, was auf die schwächsten Mittelzuflüsse der letzten fünf Jahre hindeutet.

Ein Teil der Ausweitung der Kreditspanne war direktional, da die steigenden Anleiherenditen die Notwendigkeit für die Anleger verringerten, zusätzliche Kreditrisiken einzugehen, um angemessene Renditen zu erzielen. Der Rückzug der EZB aus dem Markt war ebenfalls ein Faktor, der zu einer geringeren Liquidität auf dem Euro-Anleihemarkt führte. Ein weiteres Problem ist die Angst vor einer Rezession, wobei die Kürzung der europäischen Energielieferungen eine klare wirtschaftliche Bedrohung darstellt.

Dennoch ist die Ausweitung der Euro-Anleihespreads aggressiv ausgefallen. Die optionsbereinigten Spreads auf den Bloomberg Euro Aggregate: Corporates Index haben sich weit über das Niveau des Fed-Zyklus 2018 hinaus ausgeweitet und sind fast so hoch wie das Niveau, das während der COVID-bedingten Marktstörung erreicht wurde. Trotz der Erholung im Juli sind sowohl die Spreads als auch die Renditen nach wie vor so hoch wie seit September 2012 nicht mehr, wenn man die COVID-Spitze ausklammert. Es scheint also eine beträchtliche Menge an schlechten Wirtschaftsnachrichten im Preis enthalten zu sein. Dies spiegelt sich noch nicht auf Unternehmensebene wider, da das Verhältnis zwischen Herauf- und Herabstufungen bei europäischen IG-Emittenten sowohl bei Moody's als auch bei S&P weiterhin über eins liegt.2

Es gibt in der Tat Anzeichen dafür, dass diese höheren Renditen und der aggressive Charakter des Ausverkaufs im ersten Halbjahr die Anleger wieder an den Markt locken. In den ersten drei Juliwochen gab es positive Zuflüsse in auf Euro lautende IG-ETFs.3

Abbildung 1: Wöchentliche Mittelzuflüsse - Euro Corporate IG ETFs (Mio. USD)

ESG oder nicht ESG

Eine weitere Frage für Anleger, die in der ersten Jahreshälfte in den Vordergrund rückte, ist die Frage, inwieweit ESG-Strategien eine bessere Performance als marktgewichtete Benchmarks erwarten können. Aufgrund der hohen Energiepreise sind Strategien, die nur auf Energie ausgerichtet sind, eindeutig im Nachteil. Da die Öl- und Gaspreise auf absehbare Zeit hoch bleiben dürften, besteht zudem die Sorge, dass sich die Anleger von ESG-Strategien abwenden könnten. Im Ökosystem der börsengehandelten Fonds gibt es dafür jedoch kaum Anzeichen, und wir haben sogar das Gegenteil beobachtet. Abbildung 1 zeigt, dass die Vorliebe für ESG-Strategien im europäischen ETF-Markt ungebrochen ist.

  • Der große Exodus aus dem Anleihebereich hat sich im Allgemeinen weit weniger auf ESG-ETFs ausgewirkt als auf solche, die marktgewichtete Standardbenchmarks abbilden. Die kumulierten Nettomittelflüsse wurden im Februar in nur drei Wochen negativ. Im Gegensatz dazu waren die Zuflüsse bei den nicht-ESG-ETFs fast das ganze bisherige Jahr über im Minus.
  • In 13 der Wochen gab es Abflüsse aus marktgewichteten Strategien, aber Zuflüsse in ESG-Strategien.
  • In den letzten drei Wochen kehrten die Anleger generell zu IG-Krediten zurück, wobei sie jedoch ESG-Strategien bevorzugten.

Die Zuflüsse könnten zum Teil auf die europäische Gesetzgebung zurückzuführen sein, die Gelder in umweltfreundlichere Strategien lenkt. Es gibt auch kaum Anzeichen für eine weit verbreitete Underperformance aufgrund untergewichteter Energiepositionen. Abbildung 2 zeigt die Sektorperformance des Bloomberg Euro Aggregate Corporates Index für H1 2022. Die Sektoren mit der besten Wertentwicklung waren Banken, Basiskonsumgüter, zyklische Konsumgüter und Technologieanleihen, während die Sektoren mit der schlechtesten Wertentwicklung Immobilien, erneuerbare Energien, Versorger und zyklische Konsumgüter waren. ESG-Strategien sind in der Regel in den Sektoren Banken und Technologie übergewichtet. Der Energiesektor schnitt sogar schlecht ab. Weitere Vorteile können sich aus einer geringeren Volatilität ergeben. So wies der Bloomberg SASB Euro Corporate ESG Ex Controversies Select Index in den letzten fünf Jahren eine um mehr als 3,5 Prozent geringere Volatilität auf als der übergeordnete Bloomberg Euro Aggregate Corporates Index.4

Abbildung 2: Branchenentwicklung innerhalb des Bloomberg Euro Aggregate Corporates Index (H1 2022)

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Wie man auf dieses Thema zugreift

Anleger, die in ESG-geprüfte Euro IG-Anleihen investieren möchten, können dies mit SPDR ETFs tun. Um mehr über diese ETFs zu erfahren und die vollständige Performancehistorie einzusehen, besuchen Sie bitte die unten verlinkten Fondsseiten.

SPDR Bloomberg SASB Euro Corporate ESG UCITS ETF (Acc)

SPDR Bloomberg SASB 0-3 Year Euro Corporate ESG UCITS ETF (Acc)

 


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