Global Market Outlook 2020


Rick Lacaille
Global Chief Investment Officer

Ab durch die Mitte

In unserem Mid-Year Global Market Outlook 2019 warnten wir davor, sich von der jeweils aktuellen Marktstimmung mitreißen zu lassen und durch Nebengeräusche den Blick für das große Ganze zu verlieren. 

Diesen Rat können wir heute nur bekräftigen. Investoren müssen nicht nur Handelsspannungen, sondern auch den Brexit, spätzyklische Marktdynamiken und noch einiges mehr im Blick behalten. Nun gilt es, diese Einflussfaktoren im Zusammenhang mit den Fundamentaldaten zu sehen, von denen die Marktentwicklung im kommenden Jahr entscheidend abhängen wird.


Makroökonomischer Ausblick


Wir gehen davon aus, dass sich die Erholung der Weltwirtschaft 2020 fortsetzen wird, wenn sie auch substanzielle Risiken wird umschiffen müssen, um nicht an Dynamik zu verlieren. Diesen Risiken stehen erneut geldpolitische Unterstützung und widerstandsfähige Verbraucherausgaben und Dienstleistungen entgegen, was den Zyklus vorantreiben dürfte. Vor diesem Hintergrund rechnen wir 2020 mit einer moderaten Beschleunigung des realen BIP-Wachstums weltweit (siehe Tabelle). Da diese Annahme auf einer Entspannung der Handelskonflikte beruht, verfolgen wir die entsprechenden Entwicklungen genau.

Reales BIP-Wachstum 2018 Prognose 2019 Prognose 2020
Weltweit 3.6 3.2 3.4
Fortgeschrittene Volkswirtschaften 2.2 1.7 1.7
    USA 2.9 2.3 1.9
    Euroraum 1.8 1.1 1.3
    Japan 0.8 0.9 0.3
    GB 1.4 1.2 1.4
    Australien 2.8 1.9 2.5
    Kanada 1.8 1.4 1.7
Aufstrebende Volkswirtschaften 4.5 4.2 4.6
    China 6.6 6.1 5.8

Quellen für 2018: Nationale Datenbanken.
Quellen für Prognosen 2019 und 2020: State Street Global Advisors Economics – Stand: 16. September 2019. Die tatsächliche Entwicklung kann von diesen Prognosen abweichen.

Der Ausblick 2020 ähnelt unseren Ausblicken 2018 und 2019. In diesen beiden Jahren konnte die Weltwirtschaft trotz spätzyklischer Bedenken weiter wachsen, doch ob dies auch im kommenden Jahr gelingen wird, lässt sich angesichts der Länge und Reife des aktuellen Zyklus und der Risiken für die Erholung nur schwer voraussagen. Wir sind jedoch der Ansicht, dass sich auch 2020 trotz der in einigen Teilen der Weltwirtschaft auftretenden Schwäche ausreichend starke Treiber finden lassen, um den Wachstumskurs zu halten. Aus diesem schwierigen Anlageumfeld gibt es nur einen Ausweg – und der führt mitten durch. Dabei verlassen wir uns auf die Segmente, die Widerstandskraft beweisen, und nutzen Chancen, wo sie sich uns bieten.

Auf der Suche nach Anlagechancen werden sich Investoren vor so mancher Hürde wiederfinden, von geopolitischen Spannungen bis zu anhaltender politischer Unsicherheit. Mit der Zeit wird immer deutlicher werden, welche Wirtschaftszweige widerstandsfähiger sind und welche nicht. Ob ein Anleger seine Ziele erreichen kann, wird deshalb von der Qualität seiner Entscheidungen abhängen. In Ermangelung einer einheitlichen Entwicklung ist die richtige Anlageentscheidung Gold wert.Da wir davon ausgehen, dass sich das Weltwirtschaftswachstum 2020 nahe seiner historischen Durchschnittswerte bewegen wird, bevorzugen wir weiterhin ausgewählte Risikoaktiva – und zwar bewusst. Denn auch wenn mit einem globalen BIP-Wachstum nahe des langfristigen Durchschnitts gerechnet wird, sind dabei signifikante regionale und branchenspezifische Unterschiede zu erwarten.

In den USA dürfte die überdurchschnittlich gute konjunkturelle Entwicklung anhalten, wenngleich sich die Lücke zu anderen Regionen nach und nach verkleinern könnte. In Europa bleibt die Entwicklung aufgrund zyklischer und struktureller Probleme hinter anderen Regionen zurück, doch mit dem richtigen Impulsgeber könnte insbesondere in der zweiten Jahreshälfte 2020 eine Verbesserung anstehen. Einen wichtigen Beitrag zum Weltwirtschaftswachstum dürften die Schwellenländer leisten, doch auch hier ist mit einer höchst heterogenen Entwicklung zu rechnen. Auf Branchenebene wird die relative Stärke des Dienstleistungssektors die relative Schwäche der Industrie teilweise kompensieren, während die Verbraucherausgaben eine Verlangsamung im Bereich der Unternehmensinvestitionen ausgleichen dürften. 

Wir sind uns der signifikanten Risiken unseres Basisszenarios bewusst. Kapitalschutz wird 2020 großgeschrieben; um uns gegen verschiedenste (geo-)politische Risiken zu wappnen, entwerfen wir Absicherungsstrategien. Unser Ausblick ist jedoch nicht nur durch Abwärtsrisiken gefährdet – auch Aufwärtspotenzial ist durchaus vorhanden. So könnte das langsamere Wachstum in großen Volkswirtschaften fiskalpolitische Impulse zur Folge haben. Vor diesem Hintergrund wenden wir unseren Blick im kommenden Jahr vier großen Unsicherheitsherden zu:

  • Geopolitische Entwicklung: Was wird aus dem Brexit, den Handelsspannungen, der Lage im Iran und dem US-Amtsenthebungsverfahren, um nur einige Problemstellen zu nennen?
  • Wirtschaftliche Resilienz: Können die Verbraucher das hohe Ausgabenniveau aufrechterhalten, wenn es keine grundlegende Lösung gibt?
  • Politik: Werden geldpolitische Maßnahmen um fiskalpolitische Impulse ergänzt?
  • Strukturelle Reformen: Wird das Reformtempo in den Schwellenländern und in Europa anziehen?
  • Wahlen: Inwiefern werden sich die Wahlergebnisse 2020 in den USA und anderswo auf Handel, Politik und andere Bereiche auswirken?

Positive Antworten auf diese Fragen dürften Europa und den Schwellenländern, die der allgemeinen Entwicklung seit Jahren hinterherhinken, zugutekommen – mehr noch als den USA, wo es weniger Luft nach oben gibt. Im Jahresverlauf 2020 werden wir immer wieder Kommentare veröffentlichen, um die Fort- oder Rückschritte auf diesen Themengebieten und die Auswirkungen für Investoren zu beleuchten.

Neben diesen kritischen Unsicherheitsherden sollten Investoren unserer Ansicht nach ebenso dringend die weltverändernden Einflussfaktoren im Blick behalten, die deutliche Portfoliorisiken bergen. Denn die deckt ein Jahresausblick allein möglicherweise nicht ab. Einer dieser Faktoren ist der Klimawandel. Mit Blick auf 2020 und darüber hinaus glauben wir, dass sowohl mit mehr regulatorischem Druck als auch mit mehr Initiativen zur Bepreisung von CO2-Emissionen zu rechnen ist, was Bewertungen und Kapitalallokationen beeinflussen dürfte. Dies wiederum wird Investoren dazu veranlassen, sich mit den Klimarisiken in ihrem Portfolio auseinanderzusetzen, Maßnahmen zur Steuerung zu ergreifen und die Anlagechancen, die eine Klimarisikolandschaft im Wandel bietet, zu bewerten. 


Ausblick für den Aktienmarkt


Aktien haben sich auch 2019 glänzend entwickelt, wobei die Rallye nicht starkem Ertragswachstum zu verdanken ist.

Wir gehen davon aus, dass die anhaltende Unterstützung vonseiten der Zentralbanken im kommenden Jahr eine Übergewichtung der Aktienposition rechtfertigt. Dieser allgemein positive Ausblick wird jedoch durch zunehmend niedrige Bewertungen eingetrübt, da sich die Fundamentaldaten von den Renditen abkoppeln. In Kombination mit anhaltenden Handelsrisiken und der Aussicht auf wiederkehrende Volatilitätsschübe wird diese Abkopplung dazu führen, dass wir unsere defensiven Aktienallokationen beibehalten.

Dank der robusten Nachfrage aus dem Inland und fiskalpolitischer Unterstützung bevorzugen wir nordamerikanische Aktien, da wir dort Enttäuschungen auf Ertragsebene für unwahrscheinlicher halten. Im historischen Vergleich sind Aktien aus Europa günstiger bewertet als solche aus Nordamerika oder den Schwellenländern. Dennoch nehmen wir angesichts der anhaltenden politischen und strukturellen Unsicherheit gegenüber europäischen Aktien eine neutrale Haltung ein. Bewegung in der Fiskalpolitik und mehr politische Klarheit, was den Brexit und Strukturreformen anbelangt, wären für die europäischen Aktienmärkte ein starker Katalysator.

Kurzfristig untergewichten wir Aktien aus Schwellenländern und Asien/Pazifik. Längerfristig erkennen wir zwar durchaus Wertschöpfungspotenzial in Schwellenländeraktien, doch auch hier warten wir auf Impulsgeber, mit denen sich dieses Potenzial heben lässt: stärkere Mittelflüsse aufgrund der Erweiterung der Benchmarks für Schwellenländer, eine gewisse Entspannung im Handelskonflikt zwischen den USA und China, eine stärkere Allokation in Schwellenländer seitens globaler Fonds oder auch eine Verbesserung der Fundamentaldaten und des BIP-Wachstums nach Strukturreformen.


Unsere SPDR ETFs - Wie kann man das Thema angehen


Schwellenländer

SPYM GY

SPDR MSCI Emerging Markets UCITS ETF


Volatilitätsmanagement

SPYD GY

SPDR S&P U.S. Dividend Aristocrats UCITS ETF


Absicherung des Währungsrisikos

SPPE GY

SPDR S&P 500 EUR Hdg UCITS ETF (Acc)


Ausblick für den Anleihemarkt


Zum Jahresende 2019 scheinen sich die Anleiheinvestoren einig: die Zinsen könnten auf absehbare Zeit niedrig, teilweise sogar dauerhaft negativ bleiben. Außerhalb Europas und Japans bieten die Renditen einen Aufschlag, der jedoch deutlich zurückgegangen ist. Angesichts einer allgemeinen Konjunkturabschwächung dürfte dieser Trend anhalten. 

Auch wenn wir davon ausgehen, dass der strukturelle Trend in Richtung niedriger Zinsen geht, werden innerhalb des Trends Nachrichten und der Wirtschaftszyklus für Volatilität sorgen und Handelschancen eröffnen. Anhaltende, stimulierende Maßnahmen der Zentralbanken – sei es die Gestaltung der Leitzinsen oder quantitative Lockerungsmaßnahmen wie das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank – sollten Früchte tragen. Dazu zählt auch, dass sich das BIP-Wachstum nahe seines Potenzials bewegen dürfte. In der Folge dürfte sich das Umfeld für Unternehmensemittenten freundlich gestalten, sodass mit recht stabilen Ratings zu rechnen ist. Anleger in Unternehmensanleihen, von solchen mit Investment-Grade-Rating bis zu hochverzinslichen Papieren, können mit einer weiteren vorteilhaften Entwicklung aufgrund technischer Marktfaktoren rechnen: Während die Emissionstätigkeit zurückgeht, treiben die Käufe der EZB die Kurse nach oben.

Doch das Risiko eines aus wirtschaftlicher Sicht weniger günstigen Ergebnisses bleibt bestehen. Deshalb positionieren wir uns in unserer Credit-Übergewichtung 2020 defensiver und bewegen uns dabei weg von zyklischen Branchen wie Automotive und Einzelhandel hin zu Basissektoren wie Telekommunikation. Auch raten wir zur Vorsicht bei Allokationen in Credit-Anleihen mit niedrigerem Rating und bevorzugen BB und B-Emittenten im Verhältnis zu CCC-Ratings.


Unsere SPDR ETFs - Wie kann man das Thema angehen


Nehmen Sie an der Entwicklung der Märkte teil oder bleiben Sie liquide?

ZPRC GY

SPDR Thomson Reuters Global Convertible Bond UCITS ETF


Verwalten Sie die Duration als Portfolio-Absicherung und konzentrieren Sie sich auf Qualität

SPP7 GY

SPDR Bloomberg Barclays 7-10 Year U.S. Treasury Bond UCITS ETF


Schwellenländeranleihen – Bedürfnis nach realer Rendite

SYBM GY

SPDR Bloomberg Barclays Emerging Markets Local Bond UCITS ETF (Dist)


Anlageüberlegungen


Der Ausblick 2020 wirft für Anleger einige wichtige Fragen auf:

  • Welche Chancen bieten die Schwellenländer in einem variablen und immer weiter auseinanderdriftenden Konjunktur- und Marktumfeld?
  • Wie kann Volatilität gemanagt werden, ohne dabei das Potenzial für eine Teilhabe an steigenden Märkten aufzugeben?
  • Wie können Währungsrisiken gesteuert werden?
  • Wie steht es um externe Risiken wie dem Klima? Was gilt es jetzt zu beachten?

Wachstum und Ertrag in Schwellenländern


Die Portfolioallokationen von Aktien und Anleihen aus Schwellenländern wachsen; zudem sind diese Wertpapiere in immer mehr Indizes enthalten. Schwellenländeranlagen scheinen immer mehr als Kernallokation gesehen zu werden. Wir sind der Auffassung, dass Aktien und Anleihen aus Schwellenländern ein langfristiges Wachstums- und Ertragspotenzial bieten und derartige Investitionen 2020 eine Überlegung wert sein können.

Aktien aus Schwellenländern

Unsere aktuelle taktische Untergewichtung in Aktien aus Schwellenländern ist einem enttäuschenden Ertragswachstum sowie Bedenken im Zusammenhang mit Handelsspannungen und anderen strukturellen Problemen geschuldet. Die Erträge der Schwellenländer zogen in der zweiten Jahreshälfte 2019 leicht an und der Konsens zum Wachstum des Gewinns je Aktie in den kommenden 12 Monaten zeigte insbesondere in handelsnahen Sektoren, die jüngst einige Rückschläge zu verkraften hatten, Anzeichen einer Verbesserung. (Trotzdem bleibt das Risiko einer Eskalation der Handelsstreitigkeiten bestehen.)

Die Bewertungen der Aktien aus Schwellenländern sind im Vergleich zu jenen aus Industrieländern recht attraktiv, doch gerade im Hinblick auf die Ertragslage, auf Handelskonflikte, Kapitalflüsse und mögliche Strukturreformen bestehen noch Unsicherheiten. Um das Wertschöpfungspotenzial der Schwellenländeraktien zu heben, braucht es Katalysatoren. Dazu zählen:

  • Verstärkung der Mittelflüsse aufgrund der Erweiterung der Benchmarks für Schwellenländer
  • Entspannung im Handelskonflikt zwischen den USA und China
  • Stärkere Allokation in Schwellenländer seitens globaler Fonds
  • Strukturreformen (z. B. Rentenreform in Brasilien, Körperschaftssteuerreform in Indien, Land- und Verwaltungsreform in Südafrika, Energiereform in Mexiko) mit positiven Auswirkungen auf wirtschaftliche Fundamentaldaten und BIP-Wachstum

Unabhängig von diesen Katalysatoren sind die Renditen von Schwellenländeraktien relativ breit gestreut, sodass sich aus einer sorgfältigen Titelauswahl Chancen ergeben können. Auch wenn betaorientierte Investoren mit ausschließlich passiven Positionen in Schwellenländeraktien ihre Ziele möglicherweise nur mit einer klaren Trendwende im Ertragswachstum erreichen können, sind wir der Ansicht, dass Investoren, die an der Wachstumsstory der Schwellenländeraktien teilhaben möchten, von aktiv gemanagten Strategien profitieren können, die sich auf folgende Titel konzentrieren:

  • Unternehmen, die strukturelle Wachstumschancen wahrnehmen und unabhängig vom Wirtschaftszyklus nachhaltig wachsen können
  • Tatsächlich werthaltige Unternehmen, bei denen auf Basis robuster und differenzierter Qualitätsmerkmale und hochfrequenter Ertragsanalysen Zeichen einer Trendwende auszumachen sind

Anleihen aus Schwellenländern

Wir sind der Auffassung, dass Schwellenländeranleihen auch im kommenden Jahr sowohl auf Ertragsbasis als auch nach Gesamtertrag attraktive Chancen bieten werden. Die expansiveren Ansätze der Fed und EZB dürften den politischen Entscheidungsträgern in den Schwellenländern sowohl in der Geld- als auch der Fiskalpolitik mehr Freiraum verschaffen, da in den vergangenen Jahren in der Fiskal- und Leistungsbilanz bereits Verbesserungen erzielt werden konnten. 

Aus Bewertungssicht sind Anleihen aus Schwellenländern ihren Pendants aus den Industrieländern mittlerweile vorzuziehen. Die realen Renditen auf Staatsanleihen aus Industrieländern sind derzeit negativ,  die auf Staatsanleihen aus Schwellenländern positiv und attraktiv. Die Inflation war in den Schwellenländern in den jüngsten Jahren kontinuierlich auf dem Rückzug, sodass ein niedrigerer Risikoaufschlag gerechtfertigt ist. Darüber hinaus sind Schwellenländerwährungen relativ betrachtet unterbewertet. Dadurch bietet sich Anlegern eine aus historischer Sicht recht gute Einstiegsgelegenheit.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen chinesische Anleihen, insbesondere Staatsanleihen und solche von Politbanken: Immer mehr von ihnen werden in Referenzindizes aufgenommen (darunter 2020 auch Schwellenländer-Benchmarks), wodurch diese Papiere verstärkt in den Fokus der Anleger rücken und entsprechende Mittelzuflüsse verzeichnen dürften. Chinesische Anleihen bieten sowohl Rendite- als auch Diversifizierungsvorteile. Sie rentieren in der Regel zwischen den niedrigeren Renditen der Industrieländer und den höheren Renditen, wie sie für Schwellenländer üblich sind. Die Korrelation zwischen den Renditen chinesischer Anleihen und denen entwickelter Märkte war in der Vergangenheit eher gering. 


Volatilität steuern


Die Volatilität ist in allen Assetklassen seit der Finanzkrise recht niedrig, stieg in den letzten Wochen jedoch rasant an. Auch wenn sich die Volatilität an den Aktienmärkten derzeit auf historischem Niveau normalisiert, gehen wir davon aus, dass die wesentlichen Volatilitätstreiber und -risiken – darunter geopolitische Unsicherheiten, steigende Handelsrisiken und eine größere Lücke zwischen Fundamentaldaten und Erträgen – auch 2020 vorherrschen werden. Diese Risiken könnten sich in drastischen Volatilitätsspitzen manifestieren, bei denen die Aktiva an den Märkten auf Basis einer veränderten Wahrnehmung oder Stimmung schnell neu bewertet werden.

Durch die Entkoppelung der Aktienkurse von der Gewinnentwicklung sind Aktien anfällig geworden. Verstärkt wird das Risiko durch die mögliche weitere Eskalation der Handelskonflikte. (Allerdings waren die Ertragsaussichten bereits vor dem Wiederaufkommen der Handelsrisiken gedämpft, sodass die Handelsstreitigkeiten unseres Erachtens bereits eingepreist sind.) Gemessen an den VIX- und VSTOXX-Indizes ist die implizite Volatilität der Aktienkurse gegenüber den Tiefständen von 2018 jüngst sprunghaft angestiegen.

Vor diesem Hintergrund wird es für Investoren 2020 nicht leicht, Aufwärtsbewegungen des Marktes voll auszuschöpfen und sich gleichzeitig defensiv zu positionieren. Neben taktischen Absicherungen wie beispielsweise einem Engagement in Gold (zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ein Vermögenswert mit starker Dynamik) wollen die verschiedenen Absicherungsmöglichkeiten, die für eine angemessene und kosteneffiziente Defensive zur Verfügung stehen, sorgfältig abgewogen werden.

Strategien mit geringer Volatilität und Dividendenaktien können in diesem Umfeld erhebliche Vorteile bieten. Beide Strategien ermöglichen es den Anlegern, weiterhin vollständig am Aktienmarkt zu investieren und weiterhin vom Aufwärtspotenzial zu profitieren. Strategien mit geringer Volatilität zielen darauf ab, das Risiko auf die am wenigsten volatilen Aktien in den letzten 250 Tagen zu minimieren und den am wenigsten volatilen Aktien das höhere Gericht zu verleihen. Ein weiterer Ansatz ist bei einigen dividendenorientierten Strategien zu finden. Die Dividend-Aristocrats-Indizes versuchen, aus einer diversifizierten Basis von Qualitätsunternehmen zu wählen, die regelmäßige Bardividenden anbieten und Dividendenwachstum mit Dividendenrendite kombinieren, um Investoren zu helfen, die Unsicherheit zu überwinden, indem sie eine defensivere Portfoliohaltung einnehmen.

Auch sogenannte „Target Volatility Trigger“-Strategien (TVT) mit einer bestimmten Zielvolatilität können 2020 einen nützlichen und kosteneffizienten Schutz gegen Abwärtsrisiken bieten. TVTs werden in der Regel als Overlay über ein Aktienengagement gelegt und dienen der Begrenzung der Portfoliovolatilität. Dafür wird die künftige Aktienvolatilität prognostiziert und auf Basis dieser Prognose das Aktienengagement an die Zielvolatilität angepasst. TVTs funktionieren besonders gut in Märkten, die einem Trend folgen, und hier insbesondere in jenen mit einem starken Abwärtstrend. In extrem unsteten Märkten oder in solchen, die unter einem signifikanten äußeren Schock (wie einer Naturkatastrophe) leiden, sind andere Strategien möglicherweise die bessere Wahl.


Währungen


Im kommenden Jahr dürften sich angesichts der unterschiedlichen wirtschaftlichen Aussichten Investoren auf der Suche nach Chancen und Diversifizierung vermehrt für Märkte außerhalb ihres Heimatmarktes interessieren. Bei der Frage, welche Anleger von Investmentchancen im Ausland in vollem Umfang profitieren können, wird die Steuerung des Währungsrisikos eine entscheidende Rolle spielen.

Ein wichtiger Impulsgeber für die Entwicklung am Devisenmarkt werden 2020 geopolitische Risiken sein; insbesondere das Geschacher um den Brexit sorgt bei europäischen Investoren für weitere Währungsrisiken. Derzeit hält sich die Währungsvolatilität in Grenzen, doch eine niedrige Volatilität bedeutet nicht zwangsläufig Sicherheit – vielmehr sind einige Währungsbewertungen ausgereizt, was große Bewegungen verheißt. Der US-Dollar ist teuer, doch es fehlt der Auslöser für eine Trendumkehr. Ein solcher Auslöser wären beispielsweise Fortschritte bei der Lösung der Handelskonflikte oder zumindest eine größere Sicherheit in Handelsfragen.

Bei der Vermögensstrukturierung sollten Anleger die möglichen Wechselwirkungen zwischen Bewegungen am Devisenmarkt und Erträgen nicht vernachlässigen. Währungsoverlays können bei der Absicherung hilfreich sein, doch aufgrund der Heterogenität der Währungsbewertungen muss die Entscheidung für oder gegen eine Absicherung von Fall zu Fall getroffen werden – und kann von Fall zu Fall sehr unterschiedlich ausfallen. Für die meisten Investoren könnte es im nächsten Jahr sinnvoll sein, die Absicherungen auf das britische Pfund Sterling und die skandinavischen Währungen (z. B. schwedische und norwegische Krone) zu reduzieren und sich dafür verstärkt gegen US-Dollar und Schweizer Franken abzusichern. 


Klimarisiken


Bei einem Ausblick mit einem Horizont von lediglich einem Jahr besteht die Gefahr, dass kritische langfristige Risiken, die für alle Anleger relevant sind, nicht ausreichend Berücksichtigung finden. Dazu zählt unseres Erachtens der Klimawandel, den wir für eines der größten Risiken für Anlageportfolios unserer Zeit halten.

Davon betroffen sind nicht allein die klassischen Umweltverschmutzer. Der Klimawandel und seine Risiken erreichen so gut wie alle Marktsegmente und Branchen. Auf der obersten Ebene ist der Klimawandel ein systemisches Risiko für die Finanzmärkte, die versuchen, die Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum, die Gesellschaft und den globalen Energiemix zu verdauen. Auf Länderebene stehen die Erdölländer unter Druck, sich rechtzeitig neu zu erfinden. Bei Unternehmen – von Bohrunternehmen über Dieselmotorhersteller bis zu Speditionen und schließlich Banken – beeinflussen der Klimawandel und die damit einhergehende Regulierung Geschäftsmodelle und Lieferketten, manchmal auf unerwartete und unberechenbare Art und Weise.

Für Investoren steht die Frage im Raum: Was tun mit potenziellen Massen an gestrandeten Aktiva aus dem Bereich der fossilen Brennstoffe? Denn der regulatorische Druck steigt. Immer mehr Initiativen zur CO2-Bepreisung werden in den nächsten Jahren ihre Spuren in der Bewertung von Vermögenswerten hinterlassen. Gleichzeitig ändert sich durch sinkende Kosten für erneuerbare Energien der Energiemix, was für Unternehmen mit einer starken Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen substanzielle Risiken nach sich zieht – und für Unternehmen, die flexibel genug sind, um sich anzupassen, und die aus dieser Veränderung Kapital zu schlagen wissen, neue Chancen bietet.

Die Sustainable Climate Strategies von State Street Global Advisors können Investoren dabei helfen, ihre Anleihe- und Aktienportfolios schon heute auf die langfristigen Anlagetrends auszurichten, die sich aus dem Weg in eine klimafreundlichere Zukunft ergeben. Bei diesen Strategien werden Linderungs- mit Anpassungsmechaniken kombiniert, um Kapital von risikobehafteten Aktiva auf jene Titel umzuschichten, die von der Veränderung des Energiemix profitieren werden und als widerstandsfähiger gegenüber den physischen Risiken des Klimawandels gelten. Sie orientieren sich an den ehrgeizigsten Zielen des wegweisenden Pariser Klimaabkommens von 2015, in dessen Rahmen unter anderem beschlossen wurde, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen.


Unsere SPDR ETFs - Wie kann man das Thema angehen


ESG als Core-Equity-Alternative

ZPDX GY

SPDR STOXX Europe 600 ESG Screened UCITS ETF


Vereinfachen Sie Ihre ESG-Investition

SPPY GY

SPDR S&P 500 ESG Screened UCITS ETF


Unser Fazit


  • Die Weltwirtschaft wird wahrscheinlich auch 2020 wachsen.
  • Von günstigen (geo-)politischen Entwicklungen dürften Europa und die Schwellenländer mehr profitieren als Nordamerika.
  • Die Aussicht auf dramatische Volatilitätsspitzen wird für Nachfrage nach kosteneffizienten Absicherungsoptionen sorgen.
  • Der Klimawandel ist ein substanzielles Risiko für Investmentportfolios, der bei einem Ausblick mit einem Horizont von einem Jahr nicht ausreichend Berücksichtigung finden kann.
Footnotes

1Bloomberg-Daten (Stand: 30. September 2019) zufolge belief sich die geschätzte Realrendite des Government Bond Index EM (GBI-EM Real Yield) auf 2,10 %, die von US-Staatsanleihen und Staatsanleihen aus dem Euroraum lagen mit -0,14 % bzw. -0,87 % darunter. Es handelt sich um eine Schätzung auf Basis der Gewichtungen des JP Morgan GBI-EM Global Diversified Index (Stand: 30. September 2019) ohne Argentinien, Uruguay und die Dominikanische Republik (1,3 % des Index). Sie bezieht sich unter Verwendung von Näherungswerten der durchschnittlichen Laufzeiten für jedes Land auf die reale Rendite.

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Exp. Date: 11/30/2020
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