Einblicke

Vier defensive Strategien für Investoren

Nach dem unerwarteten Einmarsch Russlands in die Ukraine in der vergangenen Woche müssen die Anleger ihre Portfolios nun vor weiteren unvorhergesehenen Ereignissen und einer stärkeren Inflation schützen. Anlegern steht eine Reihe von defensiven Anlagen zur Verfügung, darunter Engagements in China und Anleihen mit kurzer Laufzeit, weniger betroffene Aktien, Sektoren und Dividenden-Aristokraten aus Schwellenländern.



Einschätzung des Ausmaßes der Krise

Für Anleger gibt es mehrere wichtige Überlegungen, wenn unerwartete Nachrichten eintreffen:

  • Verändert die Nachricht die Risikobereitschaft der Anleger grundlegend? Der Markt wird zunehmend risikoscheuer, da die Aussichten auf einen langwierigen Konflikt und Sanktionen steigen.
  • Haben sich die Wachstumsaussichten wesentlich verändert? Ja. Die Sanktionen werden die Reibungen in der Lieferkette verstärken und die hohen Energiepreise werden das Wachstum bremsen.
  • Gibt es Auswirkungen auf die Inflation? Auch hier: ja. Die hohen Energiepreise und die Unterbrechung der Versorgungskette werden die Inflation auf einem höheren Niveau halten.
  • Gibt es Auswirkungen auf die Liquidität? Bislang nur geringfügig. Die Spreads zwischen LIBOR und SOFR in den USA haben sich ausgeweitet, was auf gewisse Spannungen auf den Geldmärkten hindeutet und russische Vermögenswerte sind beeinträchtigt. Im Großen und Ganzen haben die Märkte jedoch weiterhin gut funktioniert.

All diese Faktoren spielen bei der Entscheidungsfindung der Zentralbanken eine Rolle. Zuletzt hat die US-Notenbank angedeutet, dass sie die Zinsen weiter anheben wird, obwohl es weniger Konsens darüber zu geben scheint, wie aggressiv sie die Bilanz abbauen muss. Die EZB ist insgesamt vorsichtiger. Wenn die Liquidität als ein möglicher Stressfaktor auf den Märkten angesehen wird, dann wird sich die Reduzierung der Zentralbankbilanz wahrscheinlich verzögern.

Vor diesem Hintergrund sehen wir vier Bereiche, in denen sich Anleger defensiv engagieren oder sich vor einem möglichen Sturm schützen können.

1. Festverzinsliche Wertpapiere: China und Strategien mit kurzen Laufzeiten in Betracht ziehen

Die anfängliche Schockwelle scheint abgeklungen zu sein, doch Anleger dürften angesichts der ungewissen weiteren Entwicklung bei Risikoanlagen vorsichtig bleiben. Daher ist bei Anleihen im Allgemeinen und Hochzinsanleihen im Besonderen eine gewisse Vorsicht geboten. Ebenso könnten breit angelegte Engagements in Lokalwährungsanleihen von Schwellenländern Schwierigkeiten haben. Nicht nur, wenn diese Osteuropa umfassen, sondern auch, weil der USD in einem solchen Umfeld in der Regel steigt. Gezieltere Engagements, wie z. B. chinesische Staatsanleihen, haben sich jedoch gut behauptet.

Strategien mit kurzen Laufzeiten sind nach wie vor am defensivsten. An den Geldmärkten ist immer noch ein hohes Maß an Straffung durch die Zentralbank eingepreist - was einen Puffer darstellt. Sollte sich der Krieg in die Länge ziehen, werden die Zentralbanken die Zinssätze wahrscheinlich eher in Abhängigkeit von den Daten anheben. Das vordere Ende der Kurve ist auch weniger gefährdet durch eine plötzliche Zunahme der Risikobereitschaft und die Weitergabe eines höheren Inflationsdrucks.

SPDR® Bloomberg China Treasury Bond UCITS ETF

SPDR® Bloomberg 1-3 Year U.S. Treasury Bond UCITS ETF1

SPDR® Bloomberg 1-3 Year Euro Government Bond UCITS ETF2

SPDR® Bloomberg 0-3 Year Euro Corporate Bond UCITS ETF3

2. Aktien: Weniger betroffene Regionen ausfindig machen

Aktien aus den USA und Japan könnten aufgrund ihrer geringeren Nähe zum Epizentrum der russischen Invasion einen gewissen Schutz bieten. Darüber hinaus sind die USA und Japan weniger abhängig von russischen Rohstoffen.

Innerhalb der USA sind wir der Ansicht, dass der S&P MidCap 400 im derzeitigen Umfeld am besten positioniert ist, da er im Vergleich zu den Large Caps ein eher inländisches Profil aufweist. Darüber hinaus bieten die Bewertungen der Mid-Cap-Unternehmen einen Puffer, da sie mit einem 12-Monats-Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,6x gehandelt werden, während der S&P 500 mit einem KGV von 18,8x gehandelt wird (Bloomberg Finance L.P., Stand: 24. Februar 2022, Börsenschluss).

Japan könnte von den Folgen der Invasion weniger betroffen sein. Ähnlich wie bei den US-Mid Caps sind die Multiplikatoren für den MSCI Japan mit einem 12-Monats-Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,3 nicht überhöht. In beiden Fällen könnten nicht nachgefragte Bewertungen ein wichtiger Faktor sein, da Engagements mit hohen KGV-Multiplikatoren jetzt nicht nur durch die erwartete Straffung der Politik, sondern auch durch die sich verschlechternde Stimmung in Frage gestellt werden. Sowohl der USD als auch der JPY könnten als bevorzugte Safe-Haven-Währungen dienen und somit eine stärkere Nachfrage erfahren.

SPDR® S&P® 400 U.S. Mid Cap UCITS ETF

SPDR® MSCI Japan UCITS ETF

3. Sektoren: Energie ist in aller Munde, während das Gesundheitswesen Schutz bietet


.Wir haben in der vergangenen Woche beständige Zuflüsse in Energie-ETFs verzeichnet, was angesichts der intensiven Aufmerksamkeit, die den Öl- und Gaspreisen in diesem Konflikt bereits zuteil wurde, nicht überrascht. Der neue Sieben-Jahres-Höchststand des Rohölpreises enthält eindeutig eine Risikoprämie, die jedoch angesichts des erheblichen Ungleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage aufrechterhalten werden könnte.

Dieses Ungleichgewicht dürfte sich noch verstärken, da sich die Aktivitäten nach der Pandemie erholen und gleichzeitig eine mögliche Versorgungsunterbrechung durch Russland eintritt. Der Preis von 100 $ pro Barrel für Rohöl der Sorte Brent könnte die neue Untergrenze werden. Die Preise für Energieaktien hinken dem Ölpreis seit Monaten hinterher und in der vergangenen Woche hat sich der Abstand noch vergrößert. Auch die Gaspreise steigen angesichts der dominierenden Stellung Russlands bei der europäischen Gasversorgung und der Einstellung von „Nord Stream 2“. Trotz der starken Performance seit mehr als einem Jahr liegt die Bewertung des Energiesektors immer noch unter seinem langfristigen Durchschnitt.

Der Gesundheitssektor ist defensiv, weil die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen nachhaltig und nicht diskretionär ist. Der Sektor wurde weitgehend ignoriert, obwohl er während der COVID-Pandemie Lösungen lieferte. Er weist relativ attraktive Bewertungen auf (sowohl auf historischer als auch auf relativer Basis). In der aktuellen Berichtssaison gab es mehrheitlich positive Überraschungen bei den Gewinnen und anschließende kleine Hochstufungen.

Aus den Depotdaten von State Street geht hervor, dass institutionelle Anleger nach dem Energiesektor am meisten den Gesundheitssektor gekauft haben. Allerdings ist dieser im Durchschnitt der Portfolios immer noch extrem untergewichtet. Eine große Sorge der Anleger war die Einführung von Preisobergrenzen für verschreibungspflichtige Medikamente in den USA, aber da diese Krise die politische Agenda von Biden weiter verschärft hat, ist ein solches Ergebnis in der derzeitigen Regierung weniger wahrscheinlich geworden.

SPDR® MSCI World Energy UCITS ETF

SPDR® S&P® U.S. Energy Select Sector UCITS ETF

SPDR® MSCI Europe Energy UCITS ETF

SPDR® MSCI World Health Care UCITS ETF

SPDR® S&P® U.S. Health Care Select Sector UCITS ETF

SPDR® MSCI Europe Health Care UCITS ETF

4. Stabilität der Dividende: Inmitten geopolitischer Instabilität auf Schwellenländer setzen

Das Streben nach Dividendenstabilität bei Schwellenländeraktien könnte einen gewissen Schutz vor dem Aufkommen geopolitischer Instabilität bieten. Bereits vor der Eskalation des Konflikts in Osteuropa haben die globalen Aktienmärkte die Auswirkungen eines sich verändernden Zinssystems auf wachstumsorientierte Werte im Vergleich zu opportunistischen Werten in Betracht gezogen. Geopolitische Instabilität und ein weniger wachstumsorientiertes Umfeld ist ein interessantes Argument für Anleger, die sich mit ihrem Engagement in Schwellenländeraktien defensiv verhalten.

Der Ansatz der Dividend Aristocrats besteht darin, Unternehmen zu finden, die seit langem eine stabile Dividende ausschütten. Der SPDR® S&P® Emerging Markets Dividend Aristocrats UCITS ETF ist bestrebt, den S&P Emerging Markets High Yield Dividend Aristocrats® Index nachzubilden, der sich aus den Aktien zusammensetzt, die ihre Dividenden jedes Jahr in mindestens fünf aufeinanderfolgenden Jahren erhöht oder beibehalten haben. Diese Aktien weisen sowohl Kapitalwachstums- als auch Dividendenertragsmerkmale auf, im Gegensatz zu Aktien, die rein rendite- oder rein kapitalorientiert sind.

SPDR® S&P® Emerging Markets Dividend Aristocrats UCITS ETF