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Nachhaltige Geldanlage – Auch nach der Pandemie ein dynamischer Markt

Auch die nachhaltige Geldanlage stand 2020 ganz im Zeichen der Coronapandemie. 2021 könnte im gemeinschaftlichen Kampf gegen den Klimawandel und andere ökologische und gesellschaftliche Probleme das entscheidende sein. Die nachhaltige Geldanlage gewinnt eine Dynamik, die auch lange über das Ende der Pandemie hinaus anhalten dürfte.

EMEA Head of ESG Investment Strategy

Nachhaltige Geldanlage schneidet 2020 überdurchschnittlich ab

Nach einigen Jahren des langsamen, aber steten Wachstums strömen die Anleger seit Beginn der Coronapandemie geradezu in nachhaltige Geldanlagen. Laut Morningstar1  wurden im dritten Quartal 2020 mehr als 80 Milliarden US-Dollar in globale Nachhaltigkeitsfonds investiert, in denen ESG-Faktoren – Umweltthemen, gesellschaftliche Aspekte und Governance – Berücksichtigung finden. Das entspricht einem Anstieg gegenüber dem zweiten Quartal von 14 %. Gleichzeitig stieg das verwaltete Vermögen um 19 % auf den Rekordwert von 1,23 Billionen US-Dollar. Am stärksten investierten dabei europäische Anleger, aber auch aus den USA, Kanada, Australien und Neuseeland sowie Japan und den anderen asiatischen Ländern flossen Mittel zu. Der europäische Markt für nachhaltige Fonds wuchs zwischen dem zweiten und dritten Quartal sogar um 10 %, während der europäische Fondsmarkt insgesamt nur um 1,6 % zulegen konnte. 2

Diese Popularität hat durchaus ihre Berechtigung. In der Pandemie hat die Widerstandsfähigkeit nachhaltig arbeitender Aktiengesellschaften das Interesse der Anleger geweckt. So kam kürzlich eine Studie von Fidelity zu dem Schluss, dass Aktien und Anleihen mit besseren ESG-Ratings 2020 auch eine bessere Wertentwicklung verzeichnet haben als Papiere mit schlechteren Ratings.3  Und der MSCI ACWI ESG Universal Index verbuchte zwischen Jahresanfang und 4. November 2020 gegenüber dem herkömmlichen MSCI Index eine Überrendite von 1,6 %.Außerdem hat die Bank of America beobachtet, dass Unternehmen mit guten ESG-Ratings in den USA, Europa und Asien ihre Gewinnprognosen für 2020/2021 weniger stark nach unten korrigieren mussten als Unternehmen, die in Sachen ESG schlechter abschnitten. 5

Warum sich Nachhaltigkeitsfonds so gut entwickeln, kann nicht pauschal, sondern nur von Fonds zu Fonds beantwortet werden. Insgesamt aber bestärkt uns das außergewöhnliche Jahr 2020 in unserer grundlegenden Einschätzung: Unternehmen mit einer außerordentlich guten Corporate Governance und einem im Vergleich zu ihren Wettbewerbern besseren Blick auf Umwelt und Gesellschaft sind widerstandsfähiger und können ihren langfristigen Wert auch in einem schwierigen Marktumfeld besser erhalten.

Klimaschutz rückt auf der politischen Agenda nach vorn

Angesichts der von der Pandemie geschwächten Weltwirtschaft wird die Bedeutung ökologischer und gesellschaftlicher Herausforderungen ebenso neu bewertet wie die Rolle des Staats bei deren Bewältigung.

Weltweit wird seit Beginn der Pandemie versucht, der Wirtschaft mit massiven Konjunkturpaketen unter die Arme zu greifen. Der Staat gewinnt in Unternehmens- und Gesellschaftsfragen zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig ist damit zu rechnen, dass Nachhaltigkeit auf der politischen Tagesordnung weiter nach oben rücken wird. Vor allem der CO2-Ausstoß wird regulatorisch noch stärker begrenzt werden, damit die Ziele des Pariser Klimaabkommens – Klimaneutralität spätestens 2050 – erreicht werden können. Mit weiteren Initiativen zur CO2-Bepreisung werden insbesondere in China und Europa entscheidende Anreize zur Emissionsreduzierung gesetzt.

Wir rechnen damit, dass die Erholung der Weltwirtschaft nach der Pandemie maßgeblich von erneuerbaren Energien getrieben sein wird. China, Indien und die Europäische Union legen nach wie vor große Solar- und Windkraftprojekte auf. Die EU investiert auch in ein nachhaltiges Bahnnetz, zudem wird der Kauf von Elektrofahrzeugen umfangreich subventioniert und die entsprechende Ladeinfrastruktur installiert.

Besonders signifikant für den Klimaschutz dürfte in diesem Jahr jedoch die Wahl von Joe Biden zum nächsten Präsidenten der USA gewesen sein.6  Mit seiner Wahl dürfte in der Klimapolitik des größten CO2-Emittenten der Welt eine Wende eingeläutet worden sein.

Biden hat ein 1,7 Billionen US-Dollar schweres Klimapaket versprochen, mit dem die Infrastruktur des Landes modernisiert, neue Arbeitsplätze geschaffen, die Industrie gestärkt und der Ausbau erneuerbarer Energien vorangetrieben werden sollen, um so CO2- und Methanemissionen zu senken und Amerika bis 2050 klimaneutral zu machen. Auch der erneute Beitritt der USA zum Pariser Klimaabkommen zählt zu Bidens erklärten Zielen. Die Zeichen stehen gut. Da die Demokraten nun die Kontrolle über den Senat haben, stehen die Chancen dieses Paket durch den Kongress zu bekommen, besser. Dennoch dürfte sich der allgemeine Ton unter der neuen Regierung ändern, wovon die Akzeptanz von ESG-Praktiken weiter profitieren wird.

Unter Biden dürften auch einige Personalien in der SEC, dem Arbeitsministerium, der Federal Reserve und anderen Behörden auf den Prüfstand gestellt werden, was ebenfalls einen Wandel in der Sicht auf und Akzeptanz von nachhaltigen Geldanlagen verspricht. In ihrem aktuellen Finanzstabilitätsbericht benannte die Federal Reserve erstmals auch den Klimawandel als Risiko für die Stabilität des US-Finanzsystems.7

Darüber hinaus könnte die Stimme der USA unter einem Präsident Biden auch bei der Frage nach einem Abkommen über die nationalen Klimabeiträge der einzelnen Länder, wie es für die UN-Klimakonferenz (COP26) im November 2021 anvisiert wird, Gewicht haben. Diese Beiträge würden zur Finanzierung der im Paris Klimaabkommen festgelegten Ziele eingesetzt.

Neue Haltung: Aktionäre sind nicht die einzige Interessengruppe

Unternehmen, die sich mit staatlichen Hilfen über Wasser gehalten haben, tragen eine besondere gesellschaftliche Verantwortung: Sie arbeiten nun mit einer „Social Licence to Operate“, einer von der Gesellschaft ausgestellten Betriebserlaubnis. Das klassische Bild des Aktionärs im Mittelpunkt verschiebt sich – Unternehmen sollen nun im Interesse aller handeln. Von der Unternehmensspitze wird zunehmend erwartet, bei ihren Entscheidungen nicht nur die Folgen für die Aktionäre im Blick zu haben, sondern auch die Konsequenzen für Kunden, Mitarbeiter, Partner, Lieferanten, Gesellschaft und Umwelt. Diese neue Haltung und die Frage nach der Sinnhaftigkeit unternehmerischen Handels, das sich am Wohl der Umwelt und Gesellschaft orientiert, dürfte sich in den nächsten Monaten weiter durchsetzen.

Dass etwas im Wandel ist, zeigt sich gut auch am Beispiel der Dividende. In einer typischen Konjunkturflaute schützen Unternehmen ihre Dividendenzahlungen, um den Aktionären ein positives Signal zu senden. Oftmals werden sogar Kosten und Investitionen zurückgeschraubt, nur um die Ausschüttung sichern oder sogar erhöhen zu können.

Doch da sich der Stakeholder-Kapitalismus immer weiter durchsetzt, unterstützen Anleger mittlerweile verstärkt eher Unternehmen, die den Cashflow in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auf bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitarbeiter und die Festigung von Kunden- und Lieferantenbeziehungen verwenden. Beachtenswert sind in diesem Zusammenhang die umfangreichen Dividendenkürzungen der großen Ölgesellschaften, einschließlich BP und Shell, sowie ihre strategische Neuausrichtung hin zu einer emissionsarmen Wirtschaft.

Dieser Trend spiegelt die wachsende Bedeutung eines ganzheitlichen Ansatzes für die Anleger wider, der Nachhaltigkeit und insbesondere gesellschaftliche Fragen genauso berücksichtigt wie Finanzindikatoren. Unternehmen werden immer transparenter arbeiten und beweisen müssen, wie sie allen Interessengruppen gerecht werden.

Um den Fokus der Märkte weg von einer kurzfristigen Orientierung hin zu einer längerfristigen Wertschöpfung für alle Interessengruppen zu lenken, müssen in den Telefonkonferenzen zu den Quartals- und Geschäftsjahreszahlen verstärkt ESG-Informationen berichtet werden – qualitativ hochwertige Daten und an prominenter Stelle. Spielen Nachhaltigkeitsthemen nur eine untergeordnete Rolle, dominieren kurzfristige Ansätze und kurzsichtige Entscheidungen und Wertschöpfungsquellen werden nicht vollständig beurteilt, wie aktuelle Forschungsergebnisse belegen.8

In dieser Hinsicht hat es 2020 einige Veränderungen gegeben: Zu Beginn des Jahres wurde in den Telefonkonferenzen von im S&P 500 gelisteten Konzernen kaum von ESG gesprochen – doch bereits im zweiten Quartal 2020 hatte sich die Zahl der Erwähnungen verdoppelt. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen.

Nach der Pandemie

Mit der Pandemie hat sich in vielen Ländern und Unternehmen der Fokus verschoben, denn es gilt, für Umwelt und Gesellschaft wichtige Themen anzupacken. Dies könnte sich als Segen für den Kampf gegen den Klimawandel erweisen, die vielleicht größte langfristige Bedrohung der Menschheit. Unserer Ansicht nach wird der Klimawandel zunehmend als schwelende Katastrophe wahrgenommen, auf die dringend reagiert werden muss.7

Auf dem Weg in eine nachhaltigere, gerechtere und emissionsärmere Welt ist die Rolle der Anleger nicht zu unterschätzen. In unseren Augen werden immer mehr Anleger die Wesentlichkeit der Chancen und Risiken der Nachhaltigkeit erkennen, sodass im kommenden und den nachfolgenden Jahren die nachhaltige Geldanlage kräftig an Dynamik und Aufmerksamkeit gewinnen wird.

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