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Ausblick für den Anleihemarkt: Investment-Grade-Anleihen werden von Zentralbankmaßnahmen profitieren

Im Jahr 2020 haben proaktive Zentralbankmaßnahmen eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung und Verbesserung der Aussichten an den Rentenmärkten gespielt – darunter die quantitative Lockerung und Kaufprogramme als Liquiditätshilfe für die Anleihemärkte. Auch 2021 dürften diese Aktivitäten ein erheblicher Einflussfaktor bleiben.

Global Head of Fixed Income Investment

So dürfte die US Federal Reserve (Fed) den Leitzins auf unbegrenzte Zeit bei (oder nahe) null halten, um ihre Ziele einer niedrigeren Arbeitslosigkeit und einer höheren Inflation zu erreichen. Ganz allgemein rechnen wir damit, dass weitere Eingriffe der Zentralbanken die Renditen auf Allzeittiefs halten und die Bereitschaft der Zentralbanken zum Kauf von Hypotheken und Unternehmensanleihen die Kreditmärkte weiterhin stabilisiert. In diesem Umfeld werden sich die Anleger zunehmend von Staatsanleihen abwenden und Titel mit einer besseren Rendite bevorzugen.

Die Entscheidungsfindung im Anleihesegment dürfte 2021 noch von einer weiteren Kraft beeinflusst werden – nämlich dem langfristigen Abwärtstrend, den wir im US-Dollar erwarten. Der Wahlsieg von Joe Biden hat diese Erwartung noch bestärkt. Eine Biden-Regierung dürfte gegenüber dem internationalen Handel sowohl eine freundlichere wie auch weniger wankelmütige Haltung einnehmen, sodass das Risiko einer Abwärtsspirale im Handelskrieg sinkt. Doch was dem Welthandel nützt, schadet dem US-Dollar, auch wenn die Unsicherheiten der Pandemie und das sehr schwierige Marktumfeld bislang eine recht hohe Bewertung der US-Währung gestützt haben. Zusammen mit den sehr niedrigen Renditen dieser Währung baut die hohe Bewertung starken Druck auf den US-Dollar in Richtung einer Rückkehr zum Fair Value auf.

Vor diesem Hintergrund betrachten wir einige wichtige Aspekte, die Anleiheinvestoren 2021 bedenken sollten.

Wir bevorzugen Investment-Grade-Unternehmensanleihen, bei denen die Käufe der Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Kompression der Risikoaufschläge bewirkt haben.

Signal der Zentralbankbereitschaft zum Kauf von Unternehmensanleihen hatte die Anleihemärkte stabilisiert. Seit der Ankündigung der Fed-Programme Primary und Secondary Market Corporate Credit Facility sind die Risikoaufschläge dramatisch gesunken – trotz der sehr geringen Volumina tatsächlicher Ankäufe durch die Fed (siehe Abbildung 1).

Mit dem jüngst ergangenen Beschluss, die Programme zum 31. Dezember 2020 auslaufen zu lassen, hat das US-Finanzministerium die unmittelbare Zukunft der Corporate Credit Facilities infrage gestellt. Dieser Rückschlag dürfte jedoch nur temporärer Natur sein, da die Biden-Regierung die Entscheidung voraussichtlich revidieren wird. Es ist belegt, dass das Programm wirkt und zu effektiven Märkten für Unternehmensanleihen beiträgt, und die regulatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen zu seiner Unterstützung wurden bereits geschaffen. Die EZB setzt in der Zwischenzeit ihre quantitative Lockerung in Form von Anleihekäufen fort, und die Fed hat (anders als das US-Finanzministerium) mit ihren Taten im laufenden Jahr bereits deutlich gemacht, dass sie den Unternehmensanleihemärkten unter die Arme greifen will, sollte es notwendig sein.

Andere von den Zentralbanken favorisierte Anlageklassen wie hypothekarisch besicherte Wertpapiere öffentlich-rechtlicher US-Emittenten (Agency-Emittenten) dürften ebenfalls von den positiven technischen Effekten eines großen Anleihekäufers wie der EZB sowie allgemein von den starken Unterstützungssignalen der Zentralbanken profitieren. Die Emissionsflut bei Unternehmensanleihen 2020 hat die Bilanzen gestärkt. In Kombination mit den zu erwartenden Hilfen der Fed im Falle wirtschaftlicher Verwerfungen ergibt sich daraus 2021 ein günstiger Ausblick für Anleihen mit Investment-Grade-Rating. Im Hochzinsbereich haben die Risikoaufschläge zwar noch Potenzial, doch aufgrund des aktuellen Marktzyklus und wachsender Ausfallrisiken sind wir vorsichtig.

Wichtig in diesem Zusammenhang sind auch die aufgrund des erheblichen Renditerückgangs stark gesunkenen Absicherungskosten der Anleger weltweit. Der Anstieg der abgesicherten Rendite bei US-Unternehmensanleihen dürfte daher besonders außerhalb der USA interessant wirken.

In Anbetracht eines möglichen Abwärtstrends beim US-Dollar dürften sich die Schwellenländerwährungen überdurchschnittlich entwickeln – Schwellenländeranleihen in Lokalwährung bieten eine besonders interessante Gelegenheit.

Die realen Renditen in der Lokalwährung von Schwellenländern liegen über dem langfristigen Durchschnitt und sind damit nach wie vor attraktiv, vor allem im Vergleich zu den realen US-Renditen, die jüngst recht deutlich unter null gefallen sind (siehe Abbildung 2). Ermöglicht eine medizinische Lösung der Krise im Jahr 2021 und darüber hinaus eine nachhaltigere Erholung, dürften sich die USA schneller erholen als die Schwellenländer. Unter diesen Bedingungen sollten sich die realen US-Renditen gegenüber dem derzeit negativen Niveau normalisieren, sodass die Lücke zu den realen Renditen der Schwellenländer kleiner wird. Daraus würde sich eine im Vergleich zu Schwellenländeranleihen bessere Entwicklung ergeben, einschließlich weiterer potenziell positiver Währungseffekte.

Unterdessen spiegeln die aktuellen Bewertungen der Schwellenländerwährungen die kurzfristigen Belastungen einer neuen Welle an Coronainfektionen wider. Auf Sicht von ein bis zwei Jahren und unter der Annahme einer nachhaltigen Konjunkturerholung glauben wir jedoch, dass diese Aussichten noch nicht in Schwellenländerwährungen eingepreist worden sind. Gegenüber dem US-Dollar weisen sie derzeit tatsächlich einen der ausgeprägtesten Abschläge der letzten zwei Jahrzehnte auf. Angesichts unseres allgemein langfristig negativen Dollar-Ausblicks werden Anleihen in Lokalwährung für Anleger im nächsten Jahr attraktiv sein.

Wer in Anleihen investiert, sollte 2021 China besonders im Auge behalten – angesichts der Integration in die Bondmärkte sind bis 2029 sehr hohe Renditen und regelmäßige Kapitalströme zu erwarten.

Der chinesische Bondmarkt korreliert kaum mit anderen Anlageklassen; das Risikoprofil entspricht dem entwickelter Märkte, und die technischen Marktfaktoren sind dank der Aufnahme in Anleiheindizes positiv. Chinesische Anleihen dürften den Anlegern im kommenden Jahr daher einiges bieten, nicht nur aufgrund eines möglichen Renditeanstieges, sondern auch, weil wir Wertsteigerungspotenzial erkennen.

Die quantitative Lockerung und andere Zentralbankmaßnahmen dürfte 2021 zweifelsohne einen erheblichen Einfluss auf die Anleihemärkte ausüben. Zugleich rechnen wir nächstes Jahr mit weiteren zunehmend einflussreichen Kräften, darunter die immer realistischere Perspektive eines langfristigen Abwärtstrends im US-Dollar. Angesichts dieser Faktoren bevorzugen wir Anleihen, die von den Stabilisierungsmaßnahmen der Zentralbanken profitieren sollten. Anleiheinvestoren ermutigen wir dazu, Chancen in Schwellenländern wahrzunehmen – insbesondere in China.

SPDR ETFs: Wie Themen zum Einsatz kommen

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